Reisetagebuch
der SY Taras



West- und Südeuropa, eine Lern- und Entdeckungsreise von Juli 2003 bis Juli 2004

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Eine Reise ist zu Ende, Nachbetrachtungen

Zeitraum: 09.08.2004 -
Am 24.7. erreichten wir Berlin und unsere Reise war damit faktisch beendet. Mit einer Träne im Knopfloch verließen wir unser stolzes Schiff, war es doch fast ein ganzes Jahr unser zu Hause. Wir lebten in dieser Zeit zu dritt auf rund 10 bis 15 m² Wohnfläche und es fehlte uns eigentlich an nichts. 1 m² Kombüse und 1 m² Bad sind genauso ausreichend wie eine nur 60 cm breite Koje. Jetzt leben wir wieder auf rd. 100 m² , was für ein Luxus!!!
Geschwarderfahrt mit Vereinskameraden... Der Scharmützelsee hat uns wieder...
Abenteuer, Glück, Stress, Angst, Stolz und Erfüllung sind die Worte die mir für eine Kurzbeschreibung einfallen. Ganz besonders stolz bin ich dabei auf meine Besatzung. So sind doch aus den mitsegelnden Familienmitgliedern ganz passable Steuerfrauen und Schiffsjungen geworden.

Wie es reisetechnisch weiter geht steht noch in den Sternen. Das dies nicht unsere letzte Reise in ferne Länder war, steht hingegen jetzt schon fest. Träume und Ideen haben wir genug, wir müssen nur Wege und Mittel finden sie zu verwirklichen.

Für die logisch denkenden Mathematiker unter uns hier nun noch ein wenig Statistik.


Gesamtstrecke 6100 sm (11300 km)
Davon 1750 sm durch Kanäle und Flüsse
Schleusen 406

Tage an Bord 330 (Torsten)
300 (Katrin und Julius)
50 (Falk)

Reisetage 185 (entspricht einem Durchschnitt von 33 sm pro Tag)
Besuchte Länder 10

Unterrichtstage für Julius 140 (armes Kind)

Motorstunden 655
Dieselverbrauch 1100 l

Ausgaben an Bord rd. 20.000 Euro (plus fester Kosten die in Berlin aufliefen)

Schäden Propeller, Ruder, Motor, Großsegel, Sprayhood, Außenborder,
Großbaum und diverse Kleinigkeiten


Nun bleibt uns nur noch allen zu danken, die uns seelisch und moralisch während unserer Reise unterstützt haben. Vor allem aber unseren Eltern die uns daheim den Rücken frei hielten und unserem großen Sohn in dieser Zeit der Elternersatz waren.

Allen die ähnliche Projekte in Angriff nehmen wollen, wünschen wir Mut, einen eisernen Willen und immer eine Handbreit ..........................................Sherry in der Bilge.


Eure Tarascrew: Katrin, Julius, Falk und Torsten Gräser



Schon fast wieder zu Hause,

Zeitraum: 15.7.2004 -
Die Tour von Harlingen nach Dokkum verläuft recht hurtig, da wir 2 Seglern hinterher hasten, die scheinbar größere Motoren installiert haben. Wir setzen zusätzlich die Genua um mitzuhalten. Die Maschine läuft nun wieder zufriedenstellend. Wir passieren etliche Brücken. An einigen hält uns der Brückenwärter einen Holzpantoffel an einer Angel direkt vor die Nase und wir müssen in Selbigen das geforderte Brückengeld hineintun. Je nach Stadt durch die wir fahren sind das 2 bis 6 Euro. Ein wenig erinnert das an den Wegezoll vergangener Jahrhunderte. In Dokkum finden wir eine Filiale des Schiffsausrüsters „Aldi“ in Hafennähe und bebunkern das Boot mit pfandfreien Getränken. Hinter Dokkum entdecken wir ein Plätzchen an einer Wiese zum übernachten. Am Folgetag geht’s bei frischem Westwind in die Nordsee und nach Borkum. Wir kommen bei Niedrigwasser an, und laufen erst mal mitten in der Hafeneinfahrt zum Yachthafen sauber auf Grund (lt. Karte mindestens 1,6 m tief). Zum Glück kommen wir wieder frei und laufen in den tiefen Schutzhafen. Das Wetter wird immer bescheidener und wir müssen einen Tag pausieren. Am Tag darauf bläst es immer noch zu heftig und wir müssen wohl noch bleiben. Gegen Mittag läuft dann ein Boot nach dem anderen aus, und alle nehmen den Weg durchs Wattfahrwasser nach Norderney. Eigentlich war uns das zu riskant wegen der geringen Wassertiefe. Aber nachdem 5 Boote vor uns ablegten, warfen auch wir die Leinen los. Der Westwind treibt uns mit über 6 kn Fahrt über 2 Wattenhochs, die bei Niedrigwasser mehr als einen Meter über dem Meeresspiegel liegen. Nachmittags sind wir in Norderney und treffen Herbert Obhus von der Tramp wieder. Das ist der Weltumsegler, den wir das erste Mal in L`Aber Wrac´h im englischen Kanal trafen. Er war direkt gesegelt (Nordsee und nicht durch Holland) und nun auch noch nicht weiter als wir.
Borkum, Deutschland ist erreicht... Helgoland, die lange Anna...
Auf Norderney überredete uns Julius zum Kinobesuch, das erste Mal nach 6 Monaten, wir konnten das verstehen. Shrek 2 stand auf dem Programm. Zurück im Hafen begann gerade das Finale der Fußball-Europameisterschaft. Passender Weise sahen wir uns das Spiel in einem griechischen Restaurant an. Nach Spielende gab´s Freibier für alle.
Bei weiterhin frischen Westwinden gönnten wir uns noch einen Abstecher nach Helgoland, bevor wir über Cuxhafen und den Nord-Ostsee-Kanal Kiel erreichten.
Am Freitag den 9.7. war es dann endlich soweit. Julius hatte seit rund 2 Monaten die Tage gezählt um endlich seinen Bruder wieder zu sehen. Falki stieg gegen 18.00 Uhr auf und schon 30 min später verließen wir Kiel wieder in Richtung Dänemark. In Marstal auf Aerö pausierten wir 2 Tage, um die Insel zu erkunden. Die Großwetterlage ließ derweil einige Wünsche offen. Die Temperaturen fielen in etwa so schnell wie der Regen zunahm. Der Westwind blieb uns mit 6 bis 7 Bf erhalten. Da wir in diesem Jahr aber schon jede Menge Sonne hatten, ist das für uns nicht ganz so tragisch.
Kiel, die Brüder wieder vereint... Bruderfreuden...
Leider sieht es vom Wetter her auch für die kommende Woche nicht besser aus und so werden wir den vielen Wind nutzen um schnell Richtung Rügen zu segeln.
Über einen Kurzstop in Gedser, gings gestern nach Hiddensee. Olaf nahm uns die Enden ab und eine Stunde später saßen wir zusammen beim Italiener und klönten. Der Hafenmeister hier ist ätzend wie immer aber die Insel ist toll. Morgen steht dann nach der Störtebecken in Ralswiek auf dem Programm, bevor es dann endgültig nach Berlin geht.


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